CDU-Kreistagsfraktion besuchte Suchthilfe Wetzlar

Cannabisfreigabe bedenklich – 750 Klienten im letzten Jahr

Nach einer längeren Pause waren jetzt Mitglieder der CDU-Kreistagsfraktion zu Besuch in den neuen Räumen der Suchthilfe Wetzlar, um sich von Geschäftsführerin Ingrid Müller, Nachfolgerin von Martin Kraus, und ihrem Stellvertreter Detlev Baumann über die aktuelle Lage informieren zu lassen. In dem knapp zweistündigen Gespräch machten die Vertreter der Suchthilfe Wetzlar in sehr beeindruckender Form deutlich, welche Probleme es in der Region bezüglich des Themas Sucht gibt. Die geplante Cannabisfreigabe durch den Bundesgesetzgeber wird sehr kritisch gesehen, weil man weiß, dass nach einer Legalisierung, wie in den USA in Studien nachzuweisen ist, anschließend die Zahl der Klienten in der Regel deutlich steigt. Allerdings gibt es nach Ansicht von Müller und Baumann auch Vorteile einer kontrollierten Abgabe – dem Problem des verunreinigten Cannabis auf dem Schwarzmarkt würde damit entgegengewirkt. In jedem Fall sei der Jugendschutz einer kontrollierten Abgabe unbedingt sicherzustellen.

Insgesamt habe man im letzten Jahr rund 750 Klienten gehabt, darunter rund 130 Jugendliche. Eine Verdreifachung im Vergleich zum Jahr 2008. Der Anteil der Frauen liege bei 37 Prozent, demzufolge der Anteil der Männer bei 63 Prozent. 50 Prozent derjenigen, die eine Suchthilfe aufsuchten, hätten Alkoholprobleme, 26,5 Prozent Probleme mit Cannabis, 10,7 Prozent mit Opioiden, 8,4 Prozent mit Stimulanzen und ca. 2 Prozent kämen mit Kokain- und Crack-Problematik in die Beratung. Diese finde sehr niederschwellig und sehr zeitnah statt. Ziel sei es, dass jeder Hilfesuchende innerhalb der ersten Woche nach Fragestellung einen Termin bekomme, denn es sei häufig ein weiter Weg von einer lange ertragenen Sucht bis zur Kontaktaufnahme mit der Suchtberatung. Es würden täglich nicht nur Beratungsgespräche in Einzel-, Gruppen- oder auch familientherapeutischer Form stattfinden, sondern man vermittle auch in Entgiftungs-, Reha- oder auch Nachsorgeeinrichtungen.

Neben den genannten Suchtproblematiken gebe es die klassische Spielsucht, die Esssucht, die Medienproblematik, manches auch in kombinierter Form. Was Berater häufig als psychisch belastend empfinden würden, seien Kinder von Suchtkranken, die in ihren jungen Jahren häufig schon vieles miterleben mussten, bis hin zur partiellen Verwahrlosung. Deshalb versuche man, in Form einer Outdoor-Kindergruppe Freizeiten, pädagogisch betreut, anzubieten, um ihnen ein klein wenig Freude zu bereiten und Perspektive zu geben.

Die Gründe für Sucht seien häufig Brüche im Lebenslauf, ob Scheidung, Tod eines Partners, körperliche Gesundheit, Beschäftigungsproblematik, familiäre Situation, häufig eine Kombination aus mehreren Faktoren, die Einfluss hätten auf die psychische Gesundheit und auf den seelischen und körperlichen Zustand, und so suche man sich vermeintlich Halt in der einen oder anderen Droge, die allerdings dazu führe, die Problematik zu verschärfen, statt zu verbessern.                        

Das gesellschaftliche Spektrum sei breit gefächert. Rund 30 Prozent seien Arbeitslosengeldbezieher, 40 Prozent gingen einer geregelten Erwerbstätigkeit nach, 10 Prozent seien Rentner und 12 Prozent lebten von Angehörigen. Entscheidend sei, so Müller und Baumann, dass man die intrinsische Motivation versuche zu stärken, also die innere Bereitschaft, selbst Verantwortung zu übernehmen und das Problem mit Hilfe, aber selbstständig, zu lösen.

Aus Sicht der CDU, so Fraktionsvorsitzender Hans-Jürgen Irmer, MdL Frank Steinraths, Wetzlars CDU-Chef Michael Hundertmark sowie die Abgeordneten Nicole Petersen, Lisa Schäfer und Sabine Sommer sowie Matthias Bender, eine großartige Arbeit, die hier geleistet werde, die leider bitter nötig sei. Deshalb sei es für die Union ein Anliegen, die Arbeit der Suchthilfe Wetzlar zu unterstützen, die für den gesamten Altkreis Wetzlar zuständig ist.

Hans-Jürgen Irmer, Fraktionsvorsitzender