Delegation der CDU-Kreistagsfraktion informiert sich im koptischen Kloster Kröffelbach

Alltag für koptische Christen in Ägypten: Diskriminierung, Benachteiligung, Willkür und mehr

Um sich über die aktuelle Lage der Kopten in Ägypten zu informieren, stattete der CDU-Bundestagsabgeordnete Hans-Jürgen Irmer in Begleitung von Kolleginnen der CDU-Kreistagsfraktion – Kerstin Hardt, Lisa Schäfer, Nicole Petersen, Heike Ahrens-Dietz und Sabine Sommer – dem in seinem Wahlkreis gelegenen koptischen Kloster Kröffelbach einmal mehr einen Besuch ab. Irmer kümmert sich im Rahmen seiner Arbeit zum Wohle der Menschen in seinem Wahlkreis – oder ebenso treffend: seiner Heimat – vor allem auch um Minderheiten, um Menschen, Gruppen, Vereine und Organisationen, die sich Benachteiligungen gegenübersehen oder die unterschiedlichsten anderen Probleme haben.

Christen weltweit am meisten verfolgt und bedrängt

Christen und christliche Kirchen haben es bekanntermaßen in Ländern und Regionen schwer, in denen Menschen islamischen Glaubens die Mehrheit bilden und deren Regierungen sich nicht selten den Anweisungen des Koran verpflichtet fühlen und diese auch in Politik umsetzen. Ägypten zählt zur islamischen Welt. Und die ägyptischen Christen, die der koptischen Kirche angehören (koptisch = ägyptisch), sind dabei keine Ausnahme. Wenn auch eine Art Sonderfall. Denn die koptische Kirche gilt als eine der ältesten christlichen Gemeinschaften, die schon, wohl von dem in Ägypten missionierenden Apostel Markus gegründet, ein halbes Jahrtausend bestand, bevor der Prophet Mohammed im siebten Jahrhundert die islamische Religion stiftete – und diese (auch) mit Gewalt verbreitete. So auch in Ägypten, wo die koptischen, sprich ägyptischen Christen bis heute und im Gegensatz zu praktisch allen islamisch geprägten Ländern eine große Minderheit sind. Verlässliche Zahlen liegen seitens des Staates Ägypten nicht vor. Realistisch erscheint jedoch die Einschätzung, dass es zehn bis zwölf Millionen sein könnten, was etwa zehn Prozent der Einwohner Ägyptens insgesamt entspräche. Wobei koptische Kreise ihrerseits von einer deutlich höheren Zahl ägyptischer Christen ausgehen. Allerdings habe die jetzige, zwar nicht dezidiert islamistisch, sondern eher säkular geprägte, aber dennoch natürlich muslimisch ausgerichtete ägyptische Staatsführung ein eigenes Interesse an einem möglichst kleinen christlichen Anteil an der Gesamtbevölkerung des Landes am Nil. Deshalb seien die offiziellen und eher vagen Angaben, die von sechs Millionen koptischer Christen – bei einer Gesamtbevölkerungszahl von rund 100 Millionen – ausgehen, mit Sicherheit deutlich zu niedrig.

Benachteiligung, Unterdrückung, Willkür

Dass es neben „islamischen“ auch „islamistisch“ geprägte und dominierte Länder gibt, ist eine im westlichen Denken verankerte Unterscheidung. Dieser Hinweis ist durchaus von Bedeutung, denn der Islam selbst und der Koran kennen eine Differenzierung in „islamisch“ oder „islamistisch“ nicht. Die Kopten in Ägypten wissen allerdings um die vielfältigen Probleme, denen sie sich als – wenn auch bedeutende – Minderheit im Land der Pyramiden gegenübersehen, nur allzu gut, oder besser und genauer schlecht bis schmerzhaft, Bescheid. Laut Verfassung sind in Ägypten Christen und Muslime gleichberechtigt. Allerdings schreibt sie zugleich vor, dass die Hauptquelle für die Rechtsprechung in Ägypten die islamische Scharia ist – was auch für Christen gilt. Ungleichbehandlung, Benachteiligung, Unterdrückung, Verfolgung, Diskriminierung und Willkür sind damit vorprogrammiert – im Alltag, in Schule, Beruf und Gesellschaft. Berufliche Aufstiege beispielsweise in den Bereichen Verwaltung, Justiz oder Bildungssystem sind für Kopten praktisch ausgeschlossen. Kopten fühlen sich nicht zuletzt deshalb als Ausgestoßene und Außenseiter im eigenen Land. Amnesty International spricht aktuell von anhaltender Diskriminierung der koptischen Christen in Ägypten „sowohl durch Gesetze als auch in der Praxis“. Die koptische Kirche war nie Staatskirche. Da ihre Mitglieder und Anhänger aber durch die Jahrhunderte Verfolgung und Unterdrückung erfahren haben, wird sie auch „Kirche der Märtyrer“ genannt.

Kröffelbach koptisches Zentrum für Deutschland

Angst gehört bei den Kopten in Ägypten zum Alltag, zumal in der Gegenwart. Viele haben deshalb das Land, in dem der islamische Fundamentalismus tief verwurzelt ist, schon verlassen. Etwa 20 Prozent aller koptischen Christen leben mittlerweile im Ausland. Beispielsweise mehr als eine Million in Nordamerika. In Deutschland sind es etwa 12.000. 1980 wurde am Rand des Waldsolmer Ortsteiles Kröffelbach ein koptisches Kloster eröffnet, dessen ab 1988 erbaute neue Kirche 1990 eingeweiht wurde. Bischof Anba Michael lebt dort mit 15 Mönchen. Für Gäste unterschiedlichster Art, von Erholungssuchenden bis Seminarteilnehmern – stehen 300 Betten zur Verfügung. Das koptische Kloster Kröffelbach ist das größte europaweit, das unter anderem als geistliches Zentrum für die Betreuung von 25 koptischen Kirchen im süddeutschen Raum zuständig ist.

Von Deutschland und daher auch von Kröffelbach aus ist es den Kopten möglich, die Situation in ihrem Heimatland zu kritisieren, Verfolgung und Unterdrückung beim Namen zu nennen, vor religiösen Fanatikern zu warnen. In Ägypten selbst ist diese Möglichkeit umständehalber nicht gegeben. Für Hans-Jürgen Irmer ist es nach dem Motto „Wider das Vergessen“ wichtig, die Kopten in Deutschland in ihrem Bemühen, den Rechten ihrer Glaubensgeschwister in Ägypten wirkungsvoller zur Geltung zu verhelfen, sich gegen Diskriminierung, Bedrohung, Ausgrenzung und Benachteiligung zur Wehr setzen zu können, zu unterstützen.