MdB Irmer besuchte „Sonnenstraße“ Evenius GmbH in Biebertal

12. Februar 2020

Viel Herz für seelisch Erkrankte

132 Klienten im Alter von 14 bis 29 Jahren werden in den verschiedenen Einrichtungen der „Sonnenstraße“ Evenius GmbH von 94 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern rund um die Uhr betreut. Martin Evenius, der Geschäftsführer, berichtete dem heimischen Bundestagsabgeordneten Hans-Jürgen Irmer über die Arbeit dieser Einrichtung, die insgesamt drei Wohnheime betreibt und sich an psychisch erkrankte Menschen wendet. Ziel aller psychologischen und pädagogischen Maßnahmen ist es, junge Menschen, soweit es irgendwie geht, wieder in die Selbstständigkeit zu entlassen. Dazu gibt es ein entsprechendes Stufenmodell, das von der intensiven Betreuung bis hin zu einem Betreuten Wohnen oder der kompletten Selbstständigkeit reicht.

Durchschnittlich verbleiben die jungen Leute zwei bis drei Jahre in der Einrichtung. Sollten sie älter als 23 sein, wechselt die formale Zuständigkeit zum Landeswohlfahrtsverband, die Behandlung wird aber vor Ort weitergeführt. Hier sei es wichtig, eine personale Kontinuität ebenso zu entwickeln wie einen strukturierten Tagesablauf. Dazu gebe es den arbeitspädagogischen Bereich für den Bereich Holz, Kreativ, PC und Ernährung, Wohngruppen mit Verselbständigungsstufen sowie das Betreute Wohnen.

Generell, so seine Mitarbeiterinnen Brigitte Labussek und Agatha Kaziszyn, müsse man feststellen, dass es eine Zunahme von seelischen Erkrankungen, Schizophrenie, Depressionen, Essstörungen gebe. Die Gründe dafür seien unterschiedlicher Natur. Die familiäre Situation spiele eine Rolle, Scheidung, Übergriffe in der Familie, überforderte Eltern, zunehmende Verhaltensstörungen und anderes mehr. Klar sprachen sich die Mitarbeiterinnen auch gegen eine Freigabe von Cannabis aus. Diese sei die Einstiegsdroge für härtere Drogen. Es wäre ein falsches Signal. Deshalb achte man konsequent darauf, dass man eine drogenfreie Einrichtung bleibe.

Probleme bereite die Versorgung der psychisch Kranken durch die psychiatrischen Kliniken, da die Wartezeiten mittlerweile sehr lange geworden seien. Akutbetten gebe es praktisch gar nicht mehr. Personal zu finden sei ebenfalls problematisch, da die Bezahlung einerseits verbesserungsfähig sei, andererseits aber auch wegen der Rund-um-die-Uhr-Betreuung Dienstzeiten entstünden, die nicht unbedingt als attraktiv zu bezeichnen seien.

 Sie selbst würden die Arbeit sehr gerne machen, weil sie sinnstiftend sei. Aber auch hier stelle man fest, dass es immer wieder verbale Angriffe ebenso gebe wie die ein oder andere körperliche Attacke. Generell müsse man feststellen, dass die Gewalt zunehme. Aktuell bilde man zwei Mitarbeiter zu Deeskalationsleitern aus und investiere auch viel Geld für Schulungen und Supervision.

Bei einem Rundgang durch den arbeitspädagogischen Bereich konnte sich Irmer ein Bild einer hervorragend aufgestellten Einrichtung machen, die mit einem hohen Maß an Verantwortung, viel Empathie und hohem Einsatz arbeitet, um Menschen zu helfen, die in unterschiedlicher Form seelisch und manchmal intellektuell beeinträchtigt sind. „Selbst wenn es gelingt, nur einen kleineren Teil in die Selbstständigkeit zurückzuführen, hat sich die Arbeit gelohnt. Deshalb Kompliment und Anerkennung allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Einrichtung“, so Irmer abschließend.

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