MdB Hans-Jürgen Irmer zu Besuch in der Aartal-Apotheke

1. Oktober 2019

„Die Apotheke vor Ort ist durch nichts zu ersetzen“

Um sich über die Lage der Apotheken zu informieren, war der CDU-Bundestagsabgeordnete Hans-Jürgen Irmer auf Einladung von Dr. Karl-Heinrich Horz von der Aartal-Apotheke in Herborn-Seelbach vor Ort, um sich selbst einen Eindruck zu verschaffen. Horz machte dabei deutlich, dass die bürokratischen Auflagen in den letzten Jahren deutlich gestiegen seien. Die Bestellung externer Datenschutzbeauftragter, externer Auditoren fürs Qualitätsmanagement, externer Arbeitsschutzbeauftragter, die Ausbildung von Ersthelfern, Brandschutzhelfern, Kurse zur Abgabe von Pflanzenschutzmitteln oder Chemikalien wie Salzsäure etc. verschlinge jährlich vierstellige Summen, oft ohne erkennbaren Nutzwert. Bei allem Verständnis für notwendige Qualitätskriterien, die jede deutsche Apotheke erfülle, werde gelegentlich das Kind mit dem Bade ausgeschüttet.

Scharfe Kritik übte Horz am holländischen Versandhandel, der keiner deutschen Kontrolle unterliege und sich aller Gemeinwohlpflichten wie Nacht- und Notdienst, verpflichtender Vorratshaltung von Notfalldepots, aufwendiger Einzelherstellung von Rezepturen (Salben, Kapseln etc.) entziehe und beim Versand keine Rücksicht auf temperaturempfindliche Medikamente nehme, deren besondere Lagerung in deutschen Apotheken streng überwacht werde. Es sei bezeichnend, dass die holländischen Versandapotheken zwar Kunden in Deutschland beliefern dürften, aber sinnigerweise nicht die Bevölkerung in den Niederlanden, die von holländischen Apotheken nach strengen Qualitätsmaßstäben versorgt werde.

Deshalb fordere man das Verbot des Versandes von verschreibungspflichtigen Medikamenten aus dem Ausland, da diese Versender kein Interesse an einer umfänglichen und qualitativ hochwertigen Arzneimittelversorgung haben, sondern rein renditeorientierte Rosinenpickerei betrieben, bis heute keine schwarzen Zahlen schrieben und durch Risikokapital von Spekulanten finanziert würden, z. B. der saudischen al-Faisaliah–Group. Es gehe dem ausländischen Fremdkapital einzig um die Zerstörung des deutschen Apothekensystems und die Kommerzialisierung des Arzneimittelvertriebes. Ein kostenloses, niederschwelliges Beratungsangebot durch qualifizierte Fachkräfte für jedermann, Nacht- und Notdienste rund um die Uhr, Notfallversorgung (auch in Pandemiefällen wie bei der „Schweinegrippe“ etc.), Palliativversorgung, Substitutionsbehandlung Drogenabhängiger, Versorgung mit Opiaten, umgehende Herstellung von Einzelrezepturen etc. seien so nicht mehr flächendeckend sicherzustellen. Zehntausende Arbeitsplätze in deutschen Apotheken seien gefährdet.

Das Argument des Bundesgesundheitsministers, wonach ein Versandhandelsverbot für rezeptpflichtige Arzneimittel europarechtlich nicht zu verhindern sei, ziehe, so Dr. Horz, nicht, denn es bestehe in über 20 EU-Ländern, die ihre Bevölkerung vor ungebremstem Kommerz schützten. Zudem würde es vom Bundesrat und den Ländergesundheitsministern

gefordert, die angesichts der Schließung von weit mehr als 2000 Apotheken in den letzten Jahren um die Versorgung der ländlichen Räume fürchteten. „Ich teile die Kritik von Apotheker Dr. Horz“, so Hans-Jürgen Irmer, „und werde diese auch in Berlin vortragen.“

Was ihm ebenfalls sehr große Sorgen bereite, so Horz, sei die Abhängigkeit Deutschlands von der Medikamentenproduktion, die mittlerweile aufgrund des hohen Kostendrucks durch die Krankenkassen weitgehend im asiatischen Raum stattfinde. Schon seit Monaten komme es zu Lieferengpässen, Wirkstoffe wie Ibuprofen oder Meloxicam seien kaum zu bekommen, da sie weltweit nur noch in wenigen Werken in Übersee produziert würden. Auch Qualitätsmängel wie bei den Blutdrucksenken Valsartan oder Candesartan, dem Magensäureblocker Ranitidin und anderen, die mit giftigen Nebenprodukten billiger Synthesewege kontaminiert waren und aus dem Handel genommen werden mussten, kämen leider mittlerweile viel zu häufig vor; so etwas sei früher in Deutschland undenkbar gewesen. Hier müsse die Politik aufpassen. In diesem Zusammenhang sei es eigentlich schon fünf nach zwölf.

Horz dankte Irmer für sein großes Interesse und das offene Ohr. Dies sei nicht selbstverständlich. Irmer sagte zu, eine Zielgruppenveranstaltung mit der gesundheitspolitischen Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Karin Maag, zeitnah organisieren zu wollen, um Apothekern und Ärzten Gelegenheit zum direkten Austausch mit den Verantwortlichen zu geben.

Hans-Jürgen Irmer, MdB

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