Die Schule hat eine sehr gute Schulentwicklung vollzogen und ist für Anforderungen im Bereich „Industrie 4.0“ hervorragend aufgestellt!

Nach dem Jahr 2016 besuchte die CDU-Kreisfraktion jetzt erneut die Werner-von-Siemens-Schule Wetzlar, um sich von Schulleiter Michael Diehl und seinem Stellvertreter Christoph Dicke über die aktuelle Situation informieren zu lassen. Bei einem Rundgang und einem Kurzbesuch im Bereich Fahrzeugtechnik (Berufsbranche: „Berufskraftfahrer“), im Bereich CNC-Technik und im Selbstlernzentrum hatten die Abgeordneten die Möglichkeit, mit den zuständigen Fachleitern, Herrn Biemer, Herrn Eisel und Frau Eckhardt, sowie mit einigen Schülern zu sprechen. Erfreulich, gerade im Bereich Fahrzeugtechnik sei, dass man in Wetzlar 250 Auszubildende aus der mittelhessischen Region beschule, die den Beruf „Berufskraftfahrer (Güterverkehr und Personenbeförderung)“ erlernen wollen. Wer hier bestehe, habe einen krisenfesten Job. Beeindruckt war man auch von der CNC-Technik und den jungen Leuten, die Programme erstellen. Das Selbstlernzentrum, so Diehl, biete vielen Schülern die Möglichkeit, losgelöst vom regulären Unterricht, sich selbst zusätzliches Wissen anzueignen oder auch in kleinen Gruppen zu arbeiten.

Die Werner-von-Siemens-Schule besuchen aktuell rund 2300 Schüler, davon 1882 in Teilzeit (duale Berufsausbildung und Teilzeitform der Fachschule für Technik) und 412 in Vollzeit (Schulformen: Berufliches Gymnasium, Fachoberschule, Zweijährige Höhere Berufsfachschule, Berufsfachschule im Übergang zur Ausbildung – BÜA) bei 120 Lehrkräften (Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigte). Aktuell vollziehen sechs Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst mit Fächerkombinationen in sogenannten Mangelfächern ihre Lehrerausbildung (Metalltechnik, Elektrotechnik, Physik). Die Lehrerversorgung sei damit als sehr gut zu bezeichnen.

Bezogen auf die vor gut dreieinhalb Jahren geäußerten Wünsche der Schule, die man als CDU an den Schulträger Lahn-Dill-Kreis herangetragen habe, gebe es Fortschritte zu vermelden. So sollte im Januar 2016 das „Europäische Haus“ an der Siemensschule mit einem Außenputz versehen werden. Der seinerzeitige Schuldezernent hatte im März 2016 erklärt, dass die Aufbringung des Außenputzes in diesem Jahr erfolgen solle. Nach Aussage der Schulleitung soll der Außenputz jetzt im September/Oktober dieses Jahres aufgebracht werden.

Der Wunsch der Schule, eine „Solartankstelle für E-Mobilität“ einzurichten, wird aktuell umgesetzt. Über das europäische Förderprogramm EFRE habe man einen entsprechenden Antrag gestellt, der auch bewilligt wurde. Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist, dass der Schulträger die Kofinanzierung zu 50 Prozent des gesamten Anschaffungspreises übernimmt. Folgende Bauteile zur Realisierung des Projekts „Solartankstelle für E-Mobilität“ sind bewilligt und geliefert:

  • Photovoltaikanlage mit Wechselrichter
  • E-Ladestation mit Zubehör
  • Prüfgerät für E-Ladestation

Erfreulich sei außerdem, dass die seinerzeit notwendige Instandsetzung der Fenster mittlerweile erfolgt sei. Ebenso seien Fortschritte erkennbar bezüglich der Frage der Sicherung der Schule durch Videoanlagen. Dies sei ein Wunsch aus dem Jahre 2016. Hier sei kürzlich ein entsprechendes Aufmaß erfolgt, so dass man hoffe, so Diehl, dass in diesem Jahr eine entsprechende Anbringung erfolge.

Noch nicht gelöst ist die Problematik im Bereich der Parkplatzsituation im Bereich des Sportheims. Hier sollte, so der damalige Dezernent Schreiber, unter Beteiligung des Tiefbauamtes der Stadt Wetzlar und der Feuerwehr eine gemeinsame Lösung erörtert werden. Der Schule würde das Aufstellen von Pollern ausreichen, aber hier sei noch kein Fortschritt erkennbar.

Die Vertreter der CDU-Kreistagsfraktion, Vorsitzender Hans-Jürgen Irmer, MdB, die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Nicole Petersen sowie die Abgeordneten Kerstin Hardt, Franz-Ludwig Löw, Dieter Steinruck und Heiko Budde, versprachen, auch an diesem Thema „dran zu bleiben“. Der Schulleiter, Herr Michael Diehl, und der stellvertretende Schulleiter, Herr Christoph Dicke dankten in diesem Kontext der Union für ihre entsprechenden Initiativen.

Hans-Jürgen Irmer, MdB

Fraktionsvorsitzender

Selbsthilfe in Bangladesch

Seit 30 Jahren gibt es den bundesweit tätigen Verein „Netz“, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Selbsthilfe der Menschen in Bangladesch zu stärken, die zu den ärmsten gehören, so dass sie ein Leben in Würde führen können. Um sich über die Arbeit von „Netz“ zu informieren, sprach dieser Tage MdB Hans-Jürgen Irmer (CDU) mit dem hauptberuflichen Geschäftsführer Peter Dietzel. Dietzel erläuterte, dass man insgesamt 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der bundesweiten Zentrale in Wetzlar habe, neun davon in Vollzeit. Hinzu kämen bundesweit rund 100 ehrenamtlich Aktive sowie rund 6000 Unterstützer.

Der Gesamtetat belaufe sich auf etwa 3,5 bis 4 Millionen Euro jährlich. Darin enthalten seien staatliche Zuschüsse zum Beispiel aus dem Entwicklungsministerium von rund 2 Millionen Euro, Zuschüsse von der EU, aber auch aus Stiftungen, von „Brot für die Welt“ und „Misereor“. Private Spenden machten etwa 20 Prozent der Mittel aus. Mit diesem Geld könne der Verein gemeinsam mit den zehn Partnerorganisationen, mit denen er vor Ort kooperiere, sehr viel Sinnvolles bewegen. So erarbeiteten Frauen in entlegenen Regionen, unterstützt von lokalen Dorfhelfern, Familienentwicklungspläne und erhielten ein Startkapital von 150 Euro, für dortige Verhältnisse ein sehr hoher Betrag. Das Projekt lege Wert darauf, dass das Kapital revolviere, also immer wieder neu investiert würde. Gezielt würden die Frauen durch diese Arbeit gestärkt. Sie organisierten Dorfgruppen, führten gemeinsame Sparkonten, machten kleine Geschäfte auf, wie beispielsweise Korbflechterei oder einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb.

Wichtig für „Netz“ sei es, dass die gewonnenen Erfahrungen und Erkenntnisse gezielt weitergetragen würden, damit sinnvolle flächendeckende Veränderungen gefördert würden. Insgesamt habe das Projekt bisher rund 75.000 Familien erreicht. Wenn man im Schnitt nur vier Personen ansetze, diskutiere man über immerhin 300.000 Menschen, die konkret ihr Einkommen und ihre Ernährung signifikant verbessert hätten. Zu den Schulungsangeboten gehörten auch Fragen der Hygiene, der Ernährung und Frauenrechte.

Ein zweites großes Projekt fördere die Bildung der Kinder. Bildung, so Dietzel und Irmer, sei nun einmal das Kapital der Zukunft. Deshalb unterstütze „Netz“ den Aufbau von Grundschulen vor Ort. In abgelegenen Gebieten müssten viele Kinder morgens weite Wege, teilweise durchaus gefährlich zu Fuß zurücklegen, um in die Schulen zu kommen. Deshalb sei die Schule vor Ort so wichtig. Bangladeschische Mitarbeiter würden die Lehrkräfte ausbilden und pädagogische Konzepte entwickeln, die auch Grundwerte einer demokratischen Gesellschaft mit Religions- und Meinungsfreiheit beinhalte.

90 Prozent der Bevölkerung des Landes gehören dem Islam an. Dieser stehe in Bangladesch für Wertschätzung und Respekt gegenüber anderen Religionen und Weltanschauungen, Herzenswärme würde das Miteinander der Menschen prägen, bringt Dietzel seine Hochachtung gegenüber der Kultur des Landes zum Ausdruck. Gewisse Sorge bereite allerdings die Entwicklung der Koranschulen, die von Ölstaaten unterstützt würden, um für eine Form des Islams zu werben, der mit den Prinzipien einer offenen, menschenrechtsbasierten Gesellschaft nicht unbedingt konform gehe.

Das dritte Projekt beziehe sich auf die Fragen der Menschenrechte, der Gleichberechtigung von Frauen und Männern, des demokratischen Dialogs. Die Verfassung von Bangladesch sei sehr progressiv, die von Traditionen geprägte Praxis in den Dörfern sehe jedoch oft anders aus. Daher unterstütze „Netz“ hier die Aufklärungsarbeit des Staates und lokaler Partnerorganisationen, auch bezogen auf Kinderheiraten – etwa 40 Prozent der Mädchen wären bereits mit 16 Jahren verheiratet -, behandele das Thema Gewalt gegen Frauen oder auch die Auszahlung der Rente an Witwen, denen diese zustehe.

Man sei sich bewusst darüber, so Dietzel abschließend, dass diese Arbeit einen langen Atem benötige. Doch durch die Zusammenarbeit so vieler Akteurinnen und Akteure, die für die Rechte und die Würde aller Menschen eintreten, ließen sich dauerhafte Veränderungen erzielen.

Weltweit im Medizinbereich optimal aufgestellt

Mehr als beeindruckend war der Vortrag des Präsidenten von Leica Microsystems, Markus Lusser, der einer Delegation der CDU-Kreistagsfraktion die aktuelle Lage und die Philosophie des Unternehmens für die Zukunft skizzierte. Leica Microsystems beschäftigt weltweit rund 6000 Mitarbeiter, 700 davon am Standort Wetzlar, der zugleich die Zentrale darstellt. Alles sichere, qualitativ hochwertige Arbeitsplätze in einem boomenden Markt. Man sei froh darüber, dass man jährlich rund 20 Azubis einstellen könne. Man habe rund 200 Bewerbungen jeweils vorliegen, sei also in der Lage, unter Qualitätsaspekten die besten nehmen zu können. Der wissenschaftliche Nachwuchs sei für das Unternehmen existenziell, wobei man natürlich, was Wissenschaftler angehe, nicht nur national, sondern auch international aufgestellt sei.

Lusser schilderte den Vertretern der CDU-Kreistagsfraktion, darunter Fraktionsvorsitzender Hans-Jürgen Irmer, MdB, Kreisbeigeordnete Ulla Landau sowie die Abgeordneten Kerstin Hardt, Nicole Petersen, Klaus Bastian, Matthias Bender, Heiko Budde und Dieter Steinruck, in beeindruckender Form die Herausforderungen allein im Gesundheitswesen was die Zukunft angehe. Die Zahl der Menschen über 65 Jahre werde in den nächsten Jahren deutlich zunehmen. Das Lebensalter verlängere sich, und die Medizin mache, unterstützt auch von innovativen Lösungen von Leica,Microsystems unglaubliche Fortschritte im Erkennen und Analysieren sowie Behandeln von Krankheiten. Die Digitalisierung im Medizinbereich sei im Übrigen eine zentrale Herausforderung für die optische Industrie in Wetzlar.

Daten würden künftig durch Algorithmen übermittelt, statt Bilder zu produzieren. Man sei heute im Bereich der Lebenswissenschaften mit an der Spitze, denn es gehe darum, molekulare Systeme zu visualisieren, um daraus Therapien zu entwickeln. Es gehe darum, für den Bereich der Chirurgie beispielsweise Tumore darstellen zu können, was man bisher in der Dreidimensionalität kaum könne, und es gehe um die industrielle Mikroskopie. Man habe einige eigene innovative Entwicklungen aktuell patentieren lassen. Das Zusammenwirken von Quantenphysikern und Informatikern habe zur Digitalisierung in der Optik geführt, so dass man heute lebende Zellen visualisieren könne, um beispielsweise Krebszellen zu erkennen und vor allen Dingen gezielt bekämpfen zu können.

Leica Microsystems sei mittlerweile weltweit aufgestellt mit acht Entwicklungsstandorten, sechs Produktionsstandorten und Niederlassungen in 23 Ländern. Der Export gehe zu ähnlichen Teilen Richtung Asien, Afrika und USA. In Deutschland selbst werde weniger als 10 Prozent des Umsatzes von rund 800 Millionen Euro generiert. Gewaltig auf dem Vormarsch sei China, das Wissenschaftlern ideale Rahmenbedingungen zur Verfügung stelle. Neue Universitäten würden aus dem Boden gestampft, Professoren weltweit angeworben mit allen wissenschaftlichen Möglichkeiten, die es gebe. Natürlich müsse man das politische System im Hintergrund beachten. Aber hier werde mit hoher Intensität gearbeitet, geforscht, und die jungen Leute in China seien wissbegierig, fleißig und engagiert, weil sie sehen würden, dass sie mit Bildung, Wissen, Fleiß, Können und Knowhow gesellschaftlich vorankommen können. Eine Art Gründergeist, der im alten Europa partiell fehle.

Deshalb sei es für die Zukunft des Standortes Deutschland wichtig, bürokratische Restriktionen, unnötige Auflagen und gelegentlich überbordende Mitbestimmungsmöglichkeiten zu überprüfen, denn sonst werde man auf Dauer nicht konkurrenzfähig sein.

Erfolgreiche Schule mit Platzproblemen

Zu einem weiteren Besuch in der Goldbachschule waren jetzt Vertreter der CDU-Kreistagsfraktion vor Ort. Schulleiter Heiko Bickel, sein Stellvertreter Markus Sahm und Personalratsvorsitzende Ellen Arhelger-Müller informierten die Christdemokraten über die aktuelle Entwicklung, die sehr erfreulich sei. Man habe derzeit 263 Schüler, Tendenz weiter steigend. Die Schüler stammen überwiegend aus dem Schulstandort Frohnhausen, dem Dillenburger Ortsteil Manderbach und dem Einzugsgebiet Roßbachtal. Die Schule sei teilweise zwei- und dreizügig und in der Lage, als Haupt- und Realschule auch reine Hauptschulklassen, zurzeit in den Jahrgängen 5 und 7, zu bilden, was für die Gesamtlernatmosphäre durchaus positiv sei.

Man habe 26 Pädagogen als Stammlehrkräfte zur Verfügung, zusätzlich weiteres pädagogisches Personal, so dass man diesbezüglich gut aufgestellt sei. Für die Größe des Kollegiums fehle allerdings die entsprechende Unterbringungsmöglichkeit. Das Lehrerzimmer sei gegenwärtig entschieden zu klein, Arbeitsplätze für die Lehrkräfte gäbe es nur zwei. Hier sei Handlungsbedarf.

Die Schule selbst sei im Ganztagsprofil 1 und biete montags-, mittwochs- und donnerstagsnachmittags freiwillige Arbeitsgemeinschaften an. Es gebe Hausaufgabenbetreuung an allen Nachmittagen, Deutsch- und Mathematik-Förderkurse, eine Tanz-AG sowie verschiedene Sportangebote wie Fußball, Tischtennis und Golf. Man habe eine Schulband und sei stolz auf das Buddy-Projekt, bei dem u.a. ältere Schüler Verantwortung für die Jüngsten übernehmen. Man werde jetzt zum fünften Mal als Umweltschule zertifiziert und sei vom Hessischen Kultusministerium als eine von drei Realschulen hessenweit für das erfolgreiche Abschneiden in den letzten fünf Jahren beim Mathematikwettbewerb geehrt worden.

Ausstattungsmäßig sei die Schule ordentlich aufgestellt, aber es bliebe zu wenig Platz. Die auf dem Schulgelände befindliche Grundschule „Schule am Brunnen“ sei räumlich ebenfalls an der Kapazitätsobergrenze angekommen. In diesem Kontext sei auch die in der Sporthalle „zwischengeparkte“ Mittagsbetreuung zu nennen. Die Schule sei für acht Grundschulklassen ausgelegt, im vergangenen Schuljahr wurden neun Schulklassen unterrichtet. Man selbst habe statt der vorgesehenen 12 Schulklassen mittlerweile 14, so dass es auch hier zu räumlichen Engpässen komme. Eine Klasse sei in einem mobilen Klassenraum untergebracht, eine weitere Lerngruppe in dem eigentlich für die Mittagspause vorgesehenen Gemeinschaftsraum.

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Die Nutzung der Fachräume von beiden Schulen sowie dadurch bedingte vereinzelte Raumüberschneidungen kämen vor, wobei die Zusammenarbeit mit der Grundschule ausgesprochen kooperativ sei. In der Mittagspause gebe es keinen geeigneten Aufenthaltsraum für die Schülerschaft und Lagermöglichkeiten u.a. im Bereich der Haustechnik würden fehlen. Aus Sicht der Schule, so die Personalratsvorsitzende Arhelger-Müller, wäre ein Anbau zwingend nötig. Hier habe der Personalrat beim Kreis bereits interveniert, aber leider „… eine erste Abfuhr…“ erhalten.                                                                                                       

Die Vertreter der CDU-Kreistagsfraktion, darunter Fraktionsvorsitzender Hans-Jürgen Irmer, MdB, sein Stellvertreter Jörg Michael Müller, MdL, Kerstin Hardt, Kevin Deusing, Michael Hundertmark, Franz-Ludwig Löw, Armin Müller und Dieter Steinruck, sagten zu, sich dieser Thematik anzunehmen, denn die Situation werde sich verschärfen, da in Manderbach ein Neubaugebiet mit rund 80 Plätzen aufgelegt wurde.

Dies bedeute zusätzliche Kinder, nicht nur für die Grundschule, sondern auch für die Goldbachschule als weiterführende Schule. Vorausschauende Politik, so Hans-Jürgen Irmer, sehe anders aus. Deshalb werde man sich beim Kreis dafür einsetzen, dass die Goldbachschule bautechnisch eine Perspektive bekomme. Der Platz dafür sei ausreichend vorhanden, aber zu einer guten pädagogischen Arbeit gehörten nun einmal auch die äußeren Voraussetzungen in Form des Schulgebäudes. Hier sei, das müsse man anerkennen, einiges Positive gemacht worden. Aber die Raumproblematik sei nicht gelöst. Deshalb werde die Union hier nachhaken.

Staatsdoping in der DDR: Es ist noch Vieles aufzuklären und zu erforschen

       (wf). Ihren vorbereiteten Vortrag zum Thema „DDR-Zwangs-Doping – wo steht der Osten in Sachen Aufklärung?“schob Ines Geipel zur Seite. Bei der Gedenkfeier zum Tag der Deutschen Einheit im Konzertsaal der Musikschule Wetzlar, zu dem sie vom CDU-Kreisverband Lahn-Dill als Gastrednerin eingeladen und vom Hans-Jürgen Irmer begrüßt worden war, referierte die 1960 im „Tal der Ahnungslosen“, sprich in Dresden, geborene und dort „als klassisches Mauerkind“ auch bis zum 14. Lebensjahr aufgewachsene spätere DDR-Spitzenleichtathletin im Frage-und-Antwort-Modus frei. Und gewährte dabei abseits des Manuskriptes dem knapp 100-köpfigen Publikum wohl nicht ganz alltägliche Einblicke in ihre nach eigenem Bekunden „dramatische Herkunfts- und Familiengeschichte“.

Mit Zwangsdoping zum Erfolg

       Zum Beispiel, dass Vater und Mutter „beinharte Kommunisten“ waren. Dass der Vater IM der Staatssicherheit war, versteht sich fast von selbst. Dass er allerdings unter acht verschiedenen Identitäten im Stasi-Auftrag im Westen unterwegs war, hat Ines Geipel erst aus ihren Stasi-Unterlagen erfahren. Mit 14 Jahren schickten sie die Eltern nach Thüringen ins Internat, eine „Spezialschule mit erweitertem Russischunterricht“, die dem Ministerium für Staatssicherheit per Patenschaftsvertrag verbunden war. Ab 1977 trieb sie Leistungssport, wurde Mitglied der DDR-Leichtathletik-Nationalmannschaft und stellte unter anderem 1984, damals unter dem Namen Ines Schmidt, gemeinsam mit Bärbel Wöckel, Ingrid Auerswald und Marlies Göhr für den SC Motor Jena einen Weltrekord für Vereinsstaffeln über 4×100 Meter auf.

       Wegen der Liebe zu einem mexikanischen Geher wollte sie die DDR verlassen, was sie sofort ins Visier der Stasi brachte, sie wurde bespitzelt und mit den üblichen Methoden der DDR-Staatsmacht bekämpft. Bis hin, dass ihr im Stasi-Auftrag bei einer Blinddarmoperation der gesamte Bauch samt Muskulatur durchgeschnitten wurde. Letztlich floh Ines Geipel 1989 über Ungarn in den Westen. Nach der Wende und der Möglichkeit, Einblicke in die Stasi-Unterlagen zu nehmen, widmete sich Geipel – und das bis heute – der Aufklärung über das DDR-Zwangs-Doping, das vom Bundesgerichtshof höchstrichterlich als „mittelschwere Kriminalität“ eingestuft wurde.

Doping ohne Rücksicht auf die jungen Sportler

       Für die vielen Tausend Doping-Opfer, von denen die weit überwiegende Anzahl nicht wusste, was „der Apparat“ mit ihnen anstellte, waren und sind die Folgen aber schwer und nachhaltig, weiß Geipel nicht nur aus eigener leidvoller Erfahrung und berichtet von vielen dramatischen Fällen mit massiven Krankheitsverläufen: Krebserkrankungen, aggressiven Psychosen, Bulimie, Borderline-Syndromen und vielem anderen mehr bis hin zu Selbstmorden. Der Vorwurf an die „ewig siegenden“ DDR-Athleten – und das Doping betraf laut Geipel praktisch alle Sportarten bis hin zum Segeln, auch wenn Leichtathletik und Schwimmen die Wahrnehmung bestimmen -, privilegiert gewesen zu sein, „liegt voll daneben“. Privilegien hätten Ärzte und Trainer genossen, deren Auftrag es war, ohne Rücksicht auf Verluste bei den jungen Sportlern für Sieger zu sorgen. Geipel wies auf einen Plan („Staatsgeheimnis“) von 1974 hin, der die „kriminelle Forschung“ im Sportbereich ermöglicht habe und der mit dem „Interkosmos-Program“ der Russen abgestimmt war. Ziel: „Die Suche nach dem maximal verzweckten Körper.“ Die Unterlagen dazu liegen laut Geipel im Militärarchiv Freiburg.

      So seien schon acht- bis zehnjährige Kinder mit männlichen Sexualhormonen „verseucht“ worden. „Die Athleten waren Versuchskaninchen, die weder informiert noch aufgeklärt wurden“, so Geipel als selbst Betroffene. In der DDR habe eine „Kultur der Tablette“ und eine „Kultur der Lüge“ geherrscht, „ein geheimes, sehr nach innen verschachteltes System, das deshalb auch sehr lange funktioniert hat“. Zugleich aber mit einer hohen Psychose- und leider auch Todesrate, weil die Betroffenen nichts erfahren haben.

Forschung und Aufklärung dringend erforderlich

       Laut Geipel ist in Sachen Aufklärung noch sehr viel zu tun. Mit der unermüdlichen und ehrenamtlichen Arbeit der Dopingopferhilfe, deren Vorsitzende Ines Geipel viele Jahre war, sei es nicht getan. „Wir leisten uns einen Forschungsnebel“ beklagt sie, nötig sei aber gezielte Forschung und vor allem auch Täterforschung. „Warum muss ich als kleine Schriftstellerin in Militärarchiven suchen“, fragte sie in Wetzlar und meinte damit die Verantwortlichen in Sport und Politik in Berlin. Es gelte, schwer missbrauchten Menschen zur Aufklärung ihrer Geschichte zu verhelfen, was dem einzelnen Betroffen mehr sehr schwer falle oder unmöglich sei. Zumal mittlerweile die „Opfer der 2. Generation“ nach Aufklärung riefen, behinderte Kinder, die von gedopten Müttern geboren wurden.

       Von den politisch Verantwortlichen und den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) fordert Ines Geipel, endlich eine ernste Erforschung des DDR-Staatsdopings auf den Weg zu bringen und damit auch einen „Enttabuisierungsraum“ und ein „Trauma-Zentrum“ für die Opfer zu schaffen. Um ihnen damit auch deutlich zu machen, dass die Sportlerinnen und Sportler schwer verletzte Opfer sind, denen Gewalt angetan wurde – und die nicht Täter gewesen seien. „Wir brauchen dringend mehrere Lehrstühle für Kommunismus-Forschung.“ Das ehrenamtliche Engagement der Dopingopferhilfe, die jeden einzelnen kleinen Erfolg zugunsten betroffener Sportler schwer erkämpfen müsse, reiche nicht aus.

Viel politische Bildung nötig

       Für Geipel ist es ein „großer symbolischer Verlust“, wenn, wie im Bundestag beschlossen, die Stasi-Unterlagen-Behörde in das Bundesarchiv übergehe. „Das DDR-System war mehr als eine Fußnote der Geschichte“. Sie widersprach ausdrücklich der Ansicht des Schriftstellers Günter Grass, der die DDR einst als „kommode Diktatur“ bezeichnet hatte. „Da war überhaupt nichts kommod“, weiß es Ines Geipel aus leidvoller Erfahrung besser. Und sie widersprach vehement der aktuell 59 Prozent Ostdeutschen, die die jetzigen Verhältnisse in Deutschland für repressiver erachteten als die DDR-Lebenswirklichkeit. Eine „beängstigende Geschichtsverdrehung“ nennt Ines Geipel diese Sicht, die „nach viel politischer Bildung“ rufe.

       Zum Abschluss stellte Ines Geipel einen Bezug zur Gegenwart her und sagte, ohne es offiziell zu sagen: „Wenn ich sage, dass der organisierte Sport auch heute Opfer produziert, dann bekomme ich Ärger mit dem Bundeinnenministerium. Und deshalb sage ich es nicht“, sagte sie.

„Die Apotheke vor Ort ist durch nichts zu ersetzen“

Um sich über die Lage der Apotheken zu informieren, war der CDU-Bundestagsabgeordnete Hans-Jürgen Irmer auf Einladung von Dr. Karl-Heinrich Horz von der Aartal-Apotheke in Herborn-Seelbach vor Ort, um sich selbst einen Eindruck zu verschaffen. Horz machte dabei deutlich, dass die bürokratischen Auflagen in den letzten Jahren deutlich gestiegen seien. Die Bestellung externer Datenschutzbeauftragter, externer Auditoren fürs Qualitätsmanagement, externer Arbeitsschutzbeauftragter, die Ausbildung von Ersthelfern, Brandschutzhelfern, Kurse zur Abgabe von Pflanzenschutzmitteln oder Chemikalien wie Salzsäure etc. verschlinge jährlich vierstellige Summen, oft ohne erkennbaren Nutzwert. Bei allem Verständnis für notwendige Qualitätskriterien, die jede deutsche Apotheke erfülle, werde gelegentlich das Kind mit dem Bade ausgeschüttet.

Scharfe Kritik übte Horz am holländischen Versandhandel, der keiner deutschen Kontrolle unterliege und sich aller Gemeinwohlpflichten wie Nacht- und Notdienst, verpflichtender Vorratshaltung von Notfalldepots, aufwendiger Einzelherstellung von Rezepturen (Salben, Kapseln etc.) entziehe und beim Versand keine Rücksicht auf temperaturempfindliche Medikamente nehme, deren besondere Lagerung in deutschen Apotheken streng überwacht werde. Es sei bezeichnend, dass die holländischen Versandapotheken zwar Kunden in Deutschland beliefern dürften, aber sinnigerweise nicht die Bevölkerung in den Niederlanden, die von holländischen Apotheken nach strengen Qualitätsmaßstäben versorgt werde.

Deshalb fordere man das Verbot des Versandes von verschreibungspflichtigen Medikamenten aus dem Ausland, da diese Versender kein Interesse an einer umfänglichen und qualitativ hochwertigen Arzneimittelversorgung haben, sondern rein renditeorientierte Rosinenpickerei betrieben, bis heute keine schwarzen Zahlen schrieben und durch Risikokapital von Spekulanten finanziert würden, z. B. der saudischen al-Faisaliah–Group. Es gehe dem ausländischen Fremdkapital einzig um die Zerstörung des deutschen Apothekensystems und die Kommerzialisierung des Arzneimittelvertriebes. Ein kostenloses, niederschwelliges Beratungsangebot durch qualifizierte Fachkräfte für jedermann, Nacht- und Notdienste rund um die Uhr, Notfallversorgung (auch in Pandemiefällen wie bei der „Schweinegrippe“ etc.), Palliativversorgung, Substitutionsbehandlung Drogenabhängiger, Versorgung mit Opiaten, umgehende Herstellung von Einzelrezepturen etc. seien so nicht mehr flächendeckend sicherzustellen. Zehntausende Arbeitsplätze in deutschen Apotheken seien gefährdet.

Das Argument des Bundesgesundheitsministers, wonach ein Versandhandelsverbot für rezeptpflichtige Arzneimittel europarechtlich nicht zu verhindern sei, ziehe, so Dr. Horz, nicht, denn es bestehe in über 20 EU-Ländern, die ihre Bevölkerung vor ungebremstem Kommerz schützten. Zudem würde es vom Bundesrat und den Ländergesundheitsministern

gefordert, die angesichts der Schließung von weit mehr als 2000 Apotheken in den letzten Jahren um die Versorgung der ländlichen Räume fürchteten. „Ich teile die Kritik von Apotheker Dr. Horz“, so Hans-Jürgen Irmer, „und werde diese auch in Berlin vortragen.“

Was ihm ebenfalls sehr große Sorgen bereite, so Horz, sei die Abhängigkeit Deutschlands von der Medikamentenproduktion, die mittlerweile aufgrund des hohen Kostendrucks durch die Krankenkassen weitgehend im asiatischen Raum stattfinde. Schon seit Monaten komme es zu Lieferengpässen, Wirkstoffe wie Ibuprofen oder Meloxicam seien kaum zu bekommen, da sie weltweit nur noch in wenigen Werken in Übersee produziert würden. Auch Qualitätsmängel wie bei den Blutdrucksenken Valsartan oder Candesartan, dem Magensäureblocker Ranitidin und anderen, die mit giftigen Nebenprodukten billiger Synthesewege kontaminiert waren und aus dem Handel genommen werden mussten, kämen leider mittlerweile viel zu häufig vor; so etwas sei früher in Deutschland undenkbar gewesen. Hier müsse die Politik aufpassen. In diesem Zusammenhang sei es eigentlich schon fünf nach zwölf.

Horz dankte Irmer für sein großes Interesse und das offene Ohr. Dies sei nicht selbstverständlich. Irmer sagte zu, eine Zielgruppenveranstaltung mit der gesundheitspolitischen Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Karin Maag, zeitnah organisieren zu wollen, um Apothekern und Ärzten Gelegenheit zum direkten Austausch mit den Verantwortlichen zu geben.

Hans-Jürgen Irmer, MdB