CDU-Kreistagsfraktion im Gespräch mit „Sozialem Dienst“ des Jugendamtes der Kreisverwaltung Lahn-Dill

8. August 2019

Pflegefamilien dringend gesucht

Die Aufgabenstellungen des Jugendamtes seien komplex. Die Hemmschwelle, sich an das Jugendamt bzw. die Kinder- und Jugendhilfe zu wenden, sei vergleichsweise groß, obwohl man gezielt versuche, Beratungsangebote unterschiedlichster Art zu machen und Vertraulichkeit zusichere. Man gehe mit viel fachlicher Kompetenz an schwierige Fälle heran, um Bedarfe mit den Hilfe- und Ratsuchenden herauszuarbeiten und Unterstützungsangebote aufzuzeigen. In der Bearbeitung von Kindeswohlgefährdung kann in letzter Konsequenz die Inobhutnahme folgen, wenn alle Hilfs- und Unterstützungsangebote nicht ausreichend erscheinen, die bestehende Gefährdung des Kindeswohls abzuwenden. Hierbei handelt es sich um eine zeitlich befristete Unterbringung in einer Pflegefamilie oder in einer stationären Jugendhilfeeinrichtung unterschiedlicher Träger wie das Haus Waldeck, Albert-Schweitzer-Kinderdorf, Kinderheim Haus Zoar in Hüttenberg, der St. Elisabeth-Verein sowie Deutsches Rotes Kreuz in Dillenburg oder Arbeiterwohlfahrt, um nur einige zu nennen.

Die inhaltlichen Anforderungen der Fallarbeit seien komplexer geworden, die Lebenssituationen und Bedarfslagen von Familien veränderten sich und dies könne zunehmend zu Überforderungssituationen führen. Deshalb versuche man mit der notwendigen Empathie familienerhaltende Unterstützungsmöglichkeiten zu erarbeiten, denn eine Unterbringung weg von der Familie sei immer nur Ultima Ratio, in letzter Konsequenz aber manchmal nicht zu verhindern. So seien derzeit im Aufgabenbereich des Adoptions- und Pflegekinderdienstes 220 Pflegekinder in rund 165 Pflegefamilien untergebracht. Wünschenswert wäre es, wenn sich mehr Familien bereit erklären würden, eine solch herausfordernde Tätigkeit zu übernehmen. Jeder könne sich grundsätzlich als Pflegeeltern bewerben. Man lege aber größten Wert auf eine Überprüfung unterschiedlichster Parameter wie Gesundheit, Wohnungsgröße, Einkommen, Empathie und anderes mehr. Für die Unterbringung zahle man den Pflegefamilien als Unterstützung gemäß Pflegegelderlass des Landes Hessen monatlich zwischen 700 und 1000 Euro. Eine Heimunterbringung koste ca. 5000 bis 6000 Euro im Monat. Bevor es soweit komme, versuche man natürlich im Vorfeld alles daranzusetzen, Kinder im familiären Umfeld wie bei Onkel und Tanten, gegebenenfalls Geschwistern oder Großeltern zu behalten, denn die wenn auch zeitlich befristete Wegnahme aus der Familie sei für alle Beteiligten eine Zäsur.                                                                              

Eltern müssten sich im Übrigen, so Katja Ansion-Kollig, im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten an den Kosten beteiligen. Die Gesprächsteilnehmer waren sich einig, dass dies auch völlig richtig sei. Die Zusammenarbeit mit den Behörden insgesamt, ob Justiz, Staatsanwaltschaft, Polizei oder AGGAS, sei gut, so Montag und Ansion-Kollig. Dankbar sei man auch der Polizei für so manche Information, die man im Sinne des Kindes rechtlich einwandfrei erhalten dürfe. Umgekehrt werde es etwas schwieriger, da immer die datenschutzrechtlichen Bestimmungen zu beachten sind. Hier wäre es aus Sicht der CDU wünschenswert, so Fraktionsvorsitzender Hans-Jürgen Irmer, MdB, die Kreistagsvorsitzende Elisabeth Müller, die Kreistagsabgeordneten Heike Ahrens-Dietz und Anna-Lena Bender sowie Kerstin Hardt und Michael Hundertmark, wenn auch der Informationsfluss von Jugendamt Richtung Polizei in begründeten Fällen leichter möglich wäre.

Auf die Frage der Unions-Abgeordneten, welche Wünsche man prioritär habe, erklärten beide, dass man die Kinderrechte stärken müsse, zweitens eine „große inklusive SGB VIII-Reform“ befürworte – derzeit sei die Jugendhilfe nicht für alle Kinder und Jugendlichen zuständig – und dass es drittens sinnvoll wäre, die Nebenkostenrichtlinien unbürokratischer und flexibler zu handhaben, um die Arbeit der Pflegefamilien zu erleichtern. Denkbar wäre beispielsweise die Anlage eines finanziell überschaubaren Fonds, aus dem in schwierigen Zeiten nach Prüfung durch das Amt der eine oder andere einmalige Zuschuss für Pflegefamilien geleistet werden könne. Die Union versprach, sich gerade im letztgenannten Bereich aus Zuständigkeitsgründen gerne verwenden zu wollen.



 

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