CDU-Kreistagsfraktion im Gespräch mit der Kreishandwerkerschaft

30. August 2017

Meisterbrief erhalten – Mehr Berufsorientierung in den Schulen

Ein klares Bekenntnis der CDU-Kreistagsfraktion gab es zum Thema Erhalt des Meisterbriefes, eine klare Ablehnung zu den völlig überzogenen und überstürzten Plänen, Innenstädte für Dieselfahrzeuge und damit auch für Liefer- und Kundendienstfahrzeuge der heimischen Handwerksbetriebe zu sperren. Deutschlandweit seien die Fahrzeuge der Handwerkerschaft überwiegend Dieselfahrzeuge. Bei aller berechtigten Kritik an den Automobilkonzernen bezüglich der Schummel-Software sei der Diesel weitaus besser als sein Ruf. Man dürfe nicht vergessen, dass die vor allem bei Diesel-Aggregaten anfallenden Stickoxid-Emissionen in den letzten 25 Jahren um 70 Prozent „gesunken“ seien. Sollten gerade die von Rot-Grün favorisierten Fahrverbote bis zum Jahr 2020 in deutschen Umweltzonen eingeführt werden, schätzt ein Papier der Deutschen Industrie- und Handelskammer die Kosten dafür alleine für Unternehmen auf mehr als 5 Milliarden Euro. Für Haushalte summieren sich diese auf mindestens 16 Milliarden.

Besonnenheit statt Aktionismus sollte deshalb das Leitprinzip sein, so die Vertreter der CDU-Kreistagsfraktion, darunter Fraktionschef Hans-Jürgen Irmer, MdL, sein Landtagskollege Clemens Reif, Kreisbeigeordnete Ulla Landau und die Abgeordneten Kerstin Hardt, Matthias Bender, Frank Steinraths, Dieter Steinruck und Franz-Ludwig Löw in einem Gespräch mit Kreishandwerksmeister Ralf Jeschke, dem Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Sebastian Hoffmanns, und Vorstandsmitglied Robert-Dieter Rüspeler.

So positiv die wirtschaftliche Lage derzeit sei, wobei es natürlich durchaus auch Unterschiede in den unterschiedlichen Gewerken gebe, so sehe man dennoch mit einer gewissen Sorge in die Zukunft, weil es zunehmend schwerer werde, den dringend benötigten Nachwuchs zu finden. Vor diesem Hintergrund warnte Jeschke vor dem „Akademisierungswahn“. Man gönne jedem jungen Menschen den für ihn bestmöglichen Schulabschluss, doch wenn etwa 30 Prozent der Studenten aus unterschiedlichen Gründen etwa im fünften oder sechsten Semester abrechen, dann sei dies ein Alarmsignal. Deshalb müsse man mehr als bisher darauf hinweisen, dass es allein im Handwerk über 130 Ausbildungsberufe gebe, in denen viele Talente kreativ tätig werden könnten.

„Wir haben ein unglaublich durchlässiges Schulsystem“, so Irmer. „Wer heute die Schule beispielsweise mit dem Hauptschulabschluss verlässt, kann mit Fleiß und Engagement zu späterer Zeit immer noch einen Realschulabschluss erwerben, das Abitur machen, studieren oder auch promovieren.“ Im Übrigen sei darauf hinzuweisen, dass man in Hessen die Möglichkeit geschaffen habe, dass ein Meister auch ein Studium aufnehmen könne.

Aus Sicht der Handwerkerschaft, so Jeschke, wäre es sinnvoll, gerade im Bereich von Haupt- und Realschulen oder entsprechenden Zweigen der Gesamtschulen verstärkt wieder auf Werk- und Musikunterricht aber auch Zeichnen zu setzen, denn die motorischen Fähigkeiten junger Menschen heute verkümmerten zunehmend. Andererseits gebe es sehr viele junge Menschen, die manuell sehr begabt seien, denen aber in der Schule zu wenig Angebote gemacht würden. Er sprach sich darüber hinaus für die Intensivierung der Unterrichtsmodelle wie PuSch aus, in denen es darum geht, jungen Leuten beispielsweise an einem Tag in der Woche die Möglichkeit zu geben, Betriebe zu erkunden und die restlichen Tage in die Schule zu gehen. Hier könne man, darüber waren sich beide Seiten einig, Theorie und Praxis wunderbar miteinander verbinden.

Positiv aus beider Sicht die Schnuppertage zwischen Gymnasien und Universitäten. Allerdings sei die Information über die Vielfalt an Berufen, die nicht unbedingt mit einem Studium starten müssen, noch ausbaufähig. Handwerk, so Rüspeler, habe nach wie vor „goldenen Boden“, und die Anforderungen heute an den Handwerker seien wesentlich höher als in früheren Jahrzehnten. Deshalb steige berechtigterweise auch wieder die Akzeptanz des Handwerkers, denn man wisse, dass man in aller Regel eine sehr gute Qualität erhalte. Das Erfolgsmodell der dualen Ausbildung, auch darüber bestand Einigkeit, sei durch nichts zu ersetzen, und es sei mit verantwortlich dafür, dass die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland lediglich bei rund 5 Prozent liege, wobei die Zahl der offenen Stellen die Zahl der Bewerber überschreiten würde. Ein Erfolgsmodell, wenn man bedenke, dass in anderen europäischen Staaten Jugendarbeitslosigkeitsquoten von 20, 30 oder gar 40 Prozent existierten. Deshalb gelte es, die Stärken des Handwerks zu festigen und die jungen Leute ebenso wie die Eltern verstärkt darüber zu informieren, welche unglaublichen Chancen in einer qualifizierten handwerklichen Ausbildung für die Zukunft junger Menschen liegen.

Hans-Jürgen Irmer, MdL

Fraktionsvorsitzender

 

 

   

 

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